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Jusos Albstadt im Gespräch mit Flüchtlingen aus der LEA Meßstetten

Pressemitteilungen

Jusos mit den Flüchtlingen aus der LEA Meßstetten

Vergangenen Mittwoch haben sich zahlreiche Jusos und SPD-Mitglieder im Begegnungszentrum Meßstetten mit jugendlichen Flüchtlingen aus der hiesigen LEA getroffen. In lockerer Atmosphäre wurde über die Erlebnisse, Eindrücke und Wünsche der Asylbewerber gesprochen, die vor allem aus der hart umkämpften Region Sindschar im Nordirak stammten und den ethnischen Minderheiten der Jesiden und Kurden angehörten.

Eindrucksvoll erzählten sie von ihrer Flucht nach Europa: Die Türkei würde die Grenzüberquerer stillschweigend dulden, aber die Flucht über die Ägäis sei die entscheidende Schwierigkeit. Zwar seien Schlepper leicht zu finden, die den Flüchtlingen all ihr Geld abnehmen und ihnen dann völlig überfüllte Boote zur Verfügung stellen würden, aber wann immer die türkische Polizei sie fänden, müssten sie umdrehen. Die kurdischen Flüchtlinge berichteten auch von der Schattenseite des Nato-Mitgliedes und EU-Beitrittskandidaten Türkei: Als sich herausgestellt habe, dass sie Kurden sind, seien sie inhaftiert und geschlagen worden. „Ich habe dann meinen irakischen Pass versteckt und zu den Polizisten gesagt: Ich bin Syrer, warum werde ich festgehalten? Daraufhin wurde ich freigelassen“, so ein Flüchtling. In Europa, besonders in Österreich und Deutschland, seien sie aber freundlich empfangen und versorgt worden.

Auch ihr großes Ziel haben die Flüchtlinge verraten: Sie wollten ihre Familien nachholen. Denn dass in den Medien oftmals junge Männer gezeigt werden, hat einen einfachen Grund: Ihnen traut man am Ehesten zu, die Strapazen der Reise zu überstehen, daher sollen sie nach Europa und nachdem ihnen Asyl gewährt worden ist, eine Familienzusammenführung anstreben. Den versammelten Jusos wurde klargemacht, welcher Druck auf diesen Jugendlichen lastet: Unzählige Familien im Kriegsgebiet haben sich stark verschuldet, um zumindest einem die Flucht zu ermöglichen. Aber viele haben vom deutschen Asylrecht wenig Ahnung, von der völlig an ihre Grenzen getriebenen Bürokratie ganz zu schweigen. Viele Flüchtlinge würden angesichts dieser Perspektivlosigkeit verzweifeln. Die Trennung von ihrer Familie schmerzte allen Anwesenden. „Das ist das erste Mal, das ich von zu Hause weg bin.“

Aber in den Irak zurückzukehren, komme für die meisten nicht in Frage. „Ich habe damit abgeschlossen. Es wird dort niemals Frieden geben, ganz egal, wer die Macht hat.“ Einige der Flüchtlinge hätten Verwandte, die für die kurdische Peschmerga kämpfen, aber das ist für die Meisten keine Option. Kein Sold, kein Geld für die Familien, und auch die Kurden hätten in mancher Hinsicht keine weiße Weste. Zwar würde Jesiden und Kurden nicht bedroht und keine jungen Mädchen entführt wie unter IS, dafür sei der Mutter eines Asylbewerbers beispielsweise der Arztbesuch verwehrt worden. Den Jusos war die Bestürzung über das deutlich anzusehen, was Menschen, von denen viele im selben Alter sind, in der Krisenregion und auf der Flucht erleiden mussten und immer noch erleiden. Es war erschreckend, wie sich auch in Deutschland das Lebe der Flüchtlinge gestaltet. Es gibt wenig Beschäftigung, die meiste Zeit verbrächten die jungen Männer auf ihren Zimmern, mit ihren Smartphones, der einzigen Verbindung zu den Familien nach Hause.

Und dann die Wirren der Bürokratie: Ein Flüchtling sei von München nach Hannover, dann an die holländische Grenze und über Hamburg schließlich in die LEA Meßstetten gebracht und mehrfach registriert worden. Andere würden von Meßstetten verlegt, müssten dann aber in die LEA zurück, um ihren Asylantrag zu stellen, und würden dann wieder weggeschickt. Über diese Menschen erfuhren die Jusos, was „Überforderung der Verwaltung“ wirklich bedeutet. Und darum ging es dem Organisator des Abends, Hendrik Dahlhoff, auch: „Es wird viel über Flüchtlinge geredet. Wir wollen mit ihnen reden.“

Dieses Gespräch hat für die Jusos tatsächlich neues Licht auf die Debatte geworden: Viele Dinge werden in den Medien aufgebauscht, unter den Tisch fallen gelassen oder schlicht nicht wahrgenommen. Darum ist und bleibt es Anliegen der Jusos Albstadt nicht Politik über Menschen, sondern Politik mit Menschen zu machen.

 
 

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